30 March 2026, 16:03

Anna Netrebkos polarisierendes Comeback an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus

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Anna Netrebkos polarisierendes Comeback an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus

Premiere mit Protesten: Anna Netrebkos umstrittenes Comeback an der Berliner Staatsoper

An der Berliner Staatsoper feierte am Sonntagabend eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Sopranistin Anna Netrebko stand als Amelia im Mittelpunkt – und erntete sowohl begeisterten Applaus als auch anhaltende Kritik. Vor dem Opernhaus versammelten sich derweil Demonstranten mit ukrainischen Fahnen, um gegen ihren Auftritt zu protestieren.

Die fast dreistündige Aufführung verband Verdis klassische Partitur mit modernen Themen, darunter Anspielungen auf queere Ballroom-Kultur und die Aids-Krise. Diese künstlerischen Entscheidungen lösten gespaltene Reaktionen aus: Während einige Zuschauer jubelten, buhten andere.

Der Abend begann mit Netrebkos Betreten der Bühne bei tosendem Beifall. Ihre Rückkehr an die Staatsoper markierte einen bedeutenden Moment, hatte sie doch seit dem Sommer 2023 nicht mehr dort gesungen. Seither haben sich die Debatten in Deutschland über ihre angeblichen Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und frühere kriegsbefürwortende Äußerungen allmählich gewandelt – einige Häuser öffnen ihr nun wieder die Tore.

Vor dem Operngebäude skandierten etwa 50 Protestierende Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Ihre Kundgebung richtete sich gegen Netrebkos Geburtstagsfeier 2022 im Moskauer Kreml sowie ihr langes Schweigen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dennoch betonte Intendantin Elisabeth Sobotka, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit der Invasion nicht mehr dorthin zurückgekehrt.

Regisseur Rafael R. Villalobos' Inszenierung ging künstlerische Risiken ein, indem er historische und kulturelle Bezüge einwebte. Szenen, inspiriert von queerer Ballroom-Tradition und der Aids-Epidemie, provozierten starke Emotionen und spalteten das Publikum. Doch zum Schluss ernteten Sänger:innen und Musiker:innen lang anhaltenden Applaus für ihre Leistung.

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Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit Jahren eine prägende Figur in Berlin. Ihr Comeback an der Staatsoper folgt auf jüngste Auftritte an anderen großen Häusern, darunter die Staatsopern in Hamburg und Wien. Die Kritik konzentriert sich zunehmend auf ihre künstlerische Leistung statt auf politische Kontroversen – ein Zeichen für eine vorsichtige Rehabilitation in europäischen Kulturkreisen.

Die Premiere von Un ballo in maschera endete mit einer Mischung aus künstlerischer Anerkennung und öffentlichem Widerspruch. Netrebkos Darstellung der Amelia stand im Zentrum von Bewunderung und Protest alike – ein Spiegel für das schwierige Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, unterstreicht die anhaltende Debatte über künstlerische Freiheit, politische Verantwortung und die Rolle von Kultureinrichtungen im Umgang mit Kontroversen.

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