Caren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere mit tierischen Gesellschaftsmetaphern
Lara LangCaren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere mit tierischen Gesellschaftsmetaphern
Caren Jess' neues Stück Bookpink – Die Neuzugänge feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin unter der Regie von Jorinde Dröse
Die Inszenierung verbindet scharfe Gesellschaftskritik mit kühnen visuellen Elementen und schöpft dabei aus der eigenen Familiengeschichte der Dramatikerin.
Das Werk knüpft an Jess' preisgekröntes Stück Die Katze Eleonore an, das vergangenen Jahres in Dresden uraufgeführt wurde und sowohl den Dramatiker- als auch den Publikumspreis gewann.
Das Stück beginnt mit einer beißenden ersten Szene, in der die Familie Adler ihre nationalistischen Krallen wetzt. Tiere – ob gefiedert, bepelzt oder mit Klauen – erscheinen gefangen, leidend oder ihrer Selbstbestimmung beraubt und dienen als Metaphern für größere gesellschaftliche Kämpfe.
Im zweiten Akt widersetzt sich eine Kolibri-Influencerin der Fortpflanzung, bis eine gescheiterte Sterilisation ihren Geist verändert. Der dritte Teil rückt einen Zilpzalp in den Fokus, der einen gefangenen Kanarienvogel befreit, während eine menschliche Figur in die Handlung verwoben wird. Kathrin Froschs Pop-Art-Kostüme und das Bühnenbild verstärken die lebendige, provokante Energie des Stücks.
Jess' Themen kreisen um die Kritik an Sozialdarwinismus, Biologismus und den Mythen von Rasse, Stärke und Kapitalismus. Ihre Großmutter Erdmuth, die Vögel an ihren Rufen erkennen und ihnen individuelle Namen geben konnte, prägte früh ihre Inspiration. Schon in Die Katze Eleonore erforschte die Autorin ähnliche Ideen durch die Geschichte einer Frau, die sich in eine Katze verwandelt, um systemischen Zwängen zu entfliehen.
Bookpink – Die Neuzugänge markiert Jess' Rückkehr auf die Bühne mit einer visuell beeindruckenden und politisch aufgeladenen Produktion. Die tierischen Allegorien und die mutige Inszenierung setzen ihre Auseinandersetzung mit Unterdrückung, Autonomie und Widerstand fort – und bestätigen ihren Ruf, Surrealismus mit scharfer Gesellschaftskritik zu verbinden.






