15 March 2026, 06:03

EU-Saatgutverordnung bedroht seltene Sorten – lokale Bibliotheken kämpfen um Erhalt

Ein Buch mit dem Titel "Archias Saatgut-Jahrbuch 1941", das einen Einband mit Tomaten, Gurken, Paprika und Gläsern voller bunter Gemüse zeigt, mit fetter Schrift, die den Inhalt beschreibt.

EU-Saatgutverordnung bedroht seltene Sorten – lokale Bibliotheken kämpfen um Erhalt

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss kämpfen um den Erhalt seltener Pflanzensorten

Lokale Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss setzen sich für den Schutz bedrohter Pflanzensorten ein, indem sie Saatgut kostenlos verleihen. Die Initiativen wollen die biologische Vielfalt bewahren – doch eine neue EU-Verordnung könnte den Zugang zu traditionellem Saatgut stark einschränken. Züchter und kleine Produzenten fürchten, dass viele einzigartige Sorten verloren gehen, sollte das Gesetz in seiner aktuellen Form verabschiedet werden.

Der Entwurf der EU-Saatgutverordnung (COM/2023/647) sorgt bei Gärtnern und kleinen Saatgutherstellern für Besorgnis. Wird er angenommen, würden strenge Zertifizierungsauflagen und hohe Gebühren den Handel mit traditionellem Saatgut erschweren. Viele Hobbygärtner könnten dann gezwungen sein, sich auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne zu verlassen.

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Seit Februar 2026 laufen Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten. Während das Parlament Ausnahmen für kleine Produzenten fordert, setzt der Agrarministerrat auf strengere Kontrollen. Länder wie Deutschland und Frankreich plädieren für mehr Flexibilität und schlagen vor, 20 Prozent der Sorten auf nationalen Listen zuzulassen – statt der vom Parlament geforderten 10-Prozent-Regel für einheitliche Standards.

Widerstand gegen die Verordnung wächst in ganz Europa: Im März 2025 protestierten niederländische Bauern gegen die Ausweitung von Saatgutpatenten und blockierten die Häfen in Rotterdam. In Italien sammelte eine Petition aus der Toskana 2025 über 50.000 Unterschriften, um Ausnahmen für Biosaatgut zu erwirken – mit Erfolg: Die lokale Umsetzung der Regelungen wurde vorerst gestoppt.

Kleine Produzenten in Düsseldorf warnen, dass ihre Betriebe unter den neuen Vorschriften kollabieren könnten. Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, befürchtet, dass viele vom Markt verdrängt werden. Die Selbstversorgerin Anne Mommertz teilt diese Sorgen und prophezeit, dass seltene Sorten ganz verschwinden könnten. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtet von großer Nachfrage nach bestimmten Saatgutsorten – ein Beleg dafür, wie wichtig diese Bibliotheken für den Erhalt der Artenvielfalt geworden sind.

Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird über die Zukunft traditionellen Saatguts entscheiden. Ohne ausreichende Ausnahmen könnten kleine Produzenten um ihr Überleben kämpfen – und seltene Sorten für immer verloren gehen. Bis dahin bleiben Saatgutbibliotheken und lokale Initiativen entscheidend, um diese Pflanzen für Gärtner zugänglich zu halten.

Quelle