Frauen in der Landwirtschaft: Mehr Anerkennung, aber noch zu wenige Chefsessel
Elias LehmannFrauen in der Landwirtschaft: Mehr Anerkennung, aber noch zu wenige Chefsessel
Frauen in der deutschen Landwirtschaft erhalten mehr Anerkennung – doch Führungsposten bleiben eine Herausforderung
In Nordrhein-Westfalen wird nur jeder neunte landwirtschaftliche Betrieb von einer Frau geführt, obwohl Frauen mehr als ein Drittel der Beschäftigten in der Branche stellen. Doch neue Netzwerke und moderne Technologien helfen dabei, dieses Ungleichgewicht zu überwinden.
Jahrzehntelang arbeiteten Frauen wie Christa Krebbing Seite an Seite mit ihren Partnern auf den Höfen – oft unsichtbar für die Öffentlichkeit. Handelsvertreter sprachen ausschließlich ihren Mann an, in der Annahme, dieser führe allein den Overdickshof in Hamminkeln. Ihre Tochter, Jessica Krebbing, steht nun kurz davor, den elterlichen Milchviehbetrieb zu übernehmen – und wird damit die erste Frau sein, die den Hof leitet. Jeden Morgen versorgt sie zunächst ihre beiden kleinen Kinder, bevor sie sich um 200 Milchkühe sowie Kälber und Jungtiere kümmert.
Moderne Hilfsmittel wie automatische Melkroboter haben die körperliche Belastung in der Landwirtschaft verringert. Diese Maschinen sparen Zeit und eröffnen Frauen die Möglichkeit, vermehrt Führungsaufgaben zu übernehmen. Auf dem Buchholzhof in Mülheim haben Anne Unterhansberg und Lea Im Brahm den familieneigenen Direktvermarktungsbetrieb umgestaltet und traditionelle Rollenbilder durchbrochen. Ihr Engagement in Marketing und Innovation zeigt, wie Frauen die Landwirtschaft aktiv mitgestalten.
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert gezielt Bäuerinnen: Vernetzungsveranstaltungen und Beratungsprogramme sollen Absolventinnen stärken und auf Führungspositionen vorbereiten. Auch die Bezahlung auf den Höfen hat sich verbessert, was Frauen mehr finanzielle Sicherheit für den Ruhestand bietet. Dennoch liegt der Anteil weiblich geführter Betriebe in Deutschland bei nur 11 Prozent – weit unter dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent. Der Weg zur Gleichberechtigung ist also noch lang.
Doch die Entwicklung hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft ist spürbar. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung, unterstützt durch technische Fortschritte und staatliche Initiativen. Während sich die Rollenbilder wandeln, rückt die Branche näher daran, den tatsächlichen Beitrag ihrer weiblichen Arbeitskräfte widerzuspiegeln.






