Gericht kippt Vuelings strenge Handgepäckregeln – was das für Passagiere bedeutet
Ella BeckerGericht kippt Vuelings strenge Handgepäckregeln – was das für Passagiere bedeutet
Ein deutsches Gericht hat die strenge Handgepäckregelung von Vueling für unzulässig erklärt. Das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass die Fluggesellschaft kostenloses Handgepäck nicht länger auf eine einzige kleine Tasche mit den Maßen 20 x 30 x 40 Zentimeter beschränken darf. Das Urteil folgt auf eine Klage des Verbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), der argumentierte, dass solche Einschränkungen Passagiere unangemessen belasten.
Die Entscheidung fällt zeitlich mit dem Beginn der Verhandlungen zwischen EU-Vertretern in Brüssel zusammen, die heute eine Reform der Fluggastrechte in der gesamten Union vorantreiben sollen.
Bisher erlaubte Vuelings Regelung nur eine winzige Tasche als kostenloses Handgepäck. Das Gericht gab dem vzbv recht und urteilte, dass dies nicht den vernünftigen Erwartungen von Reisenden entspreche. Ramona Popp, die geschäftsführende Vorständin der Organisation, kritisierte Fluggesellschaften dafür, für größere Handgepäckstücke zusätzliche Gebühren zu verlangen. Sie betonte, dass Handgepäck ein essenzieller Bestandteil des Flugreises sei und nicht mit versteckten Kosten verbunden werden dürfe.
Popp forderte klarere gesetzliche Vorgaben und schlug vor, dass jedes Ticket ein kleines persönliches Gepäckstück sowie einen standardmäßigen Handgepäckkoffer mit mindestens 115 Zentimetern Umfang und bis zu zehn Kilogramm Gewicht umfassen solle. Das aktuelle Urteil verhindert nun, dass Vueling für Gepäckstücke in diesen Dimensionen Zusatzgebühren erhebt.
Unterdessen sind ähnliche Klagen gegen EasyJet, Eurowings und Wizz Air noch nicht entschieden. Noch vor den heutigen Gesprächen hatte die Europäische Kommission bereits Bedenken gegenüber Gepäckgebühren der Airlines geäußert. In Stellungnahmen zwischen 2017 und 2019 bezeichneten die Kommissare Bienkowska und Várhelyi solche Gebühren als potenziell unverhältnismäßig nach EU-Verbraucherrecht. Das Europäische Parlament unterstrich diese Position mit Resolutionen aus den Jahren 2017 und 2020, in denen es die Gebühren als ausbeuterisch brandmarkte und ihre Integration in den Ticketpreis forderte. Während der Europäische Rat zwar generelle Verbesserungen der Verbraucherrechte unterstützte, hatte er sich vor 2023 nicht konkret zur Handgepäckproblematik geäußert.
Das Urteil zwingt Vueling, seine Handgepäckbestimmungen umgehend anzupassen. Passagiere der Airline müssen künftig keine Zusatzkosten mehr für standardgroßes Handgepäck zahlen. Angesichts der nun laufenden EU-Verhandlungen zu Fluggastrechten könnten in ganz Europa weitere Änderungen bei den Gebührenmodellen der Airlines folgen.






