Gogols Der Revisor kehrt 2026 mit surrealer Neuinszenierung ins Thalia Theater zurück
Leon FischerGogols Der Revisor kehrt 2026 mit surrealer Neuinszenierung ins Thalia Theater zurück
Das Thalia Theater bringt 2026 Der Revisor in einer Neuinszenierung von Waleri Fokin auf die Bühne – eine Produktion mit tiefen historischen Wurzeln, denn das Stück feierte hier 1836 seine Uraufführung in Anwesenheit von Zar Nikolaus I. Die neue Inszenierung setzt auf kühne künstlerische Entscheidungen, darunter eine surreale Wendung der klassischen Satire.
Die legendäre Premiere von Gogols Der Revisor ging in die Geschichte ein, nachdem Nikolaus I. angeblich ausgerufen haben soll: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!" Die Zarenloge, damals Mittelpunkt des Geschehens, spielt auch in Fokins Version von 2026 eine zentrale Rolle. Bei der Premiere am 28. Februar saß dort der Direktor der Eremitage, Michail Piotrowski, während das Kaiserhymne "Gott bewahre den Zaren!" von einem Vokalterzett erklang – gerichtet an den leeren Platz des Monarchen.
Fokins Inszenierung verbindet Geschichte mit modernem Theater. Sergei Parschin gibt den Stadtvorsteher, eine Mischung aus grotesker Überzeichnung und alltäglicher Sprache. Tichon Schisnewski, bekannt aus "Major Grom", übernimmt die Rolle des Chlestakow – doch mit einer überraschenden Variante: Seine Lügen beschwören ein Alter Ego herauf, eine verborgene Machtfigur, die nach dem Genuss eines geheimnisvollen Elixiers auftaucht.
Den Abschluss bildet eine "Fortsetzung"-Szene, in der die Schauspieler übertriebene Kritiken persiflieren und die Rezeption der Aufführung auf die Schippe nehmen. Dieses selbstreflexive Finale greift die satirischen Wurzeln des Stücks auf und verweist zugleich auf frühere Interpretationen. Vor einem Jahrhundert inszenierte Wsewolod Meyerhold dasselbe Werk am Alexandrinski-Theater; Fokin selbst brachte es dort bereits 2002 auf die Bühne.
Die Neuauflage 2026 verwebt Gogols originale Satire mit imperialer Geschichte und zeitgenössischem Humor. Die einst von Nikolaus I. besetzte Zarenloge wird zur symbolträchtigen Bühne für Fokins Erforschung von Macht und Illusion. Mit dieser Verbindung aus Tradition und Innovation schreibt das Thalia Theater ein weiteres Kapitel in seiner langjährigen Beziehung zu Der Revisor.






