Julian Barnes eröffnet Lit.Cologne mit scharfer Abrechnung und persönlichem Abschied
Elias LehmannJulian Barnes: '1984' ist jetzt Realität - Julian Barnes eröffnet Lit.Cologne mit scharfer Abrechnung und persönlichem Abschied
Julian Barnes hat das diesjährige Lit.Cologne-Festival mit einer eindringlichen Rede eröffnet, die Politik, Literatur und seine eigene Zukunft thematisierte. Der gefeierte Autor las aus Abschied(e), einem Buch, das er angesichts einer kürzlichen Krebserkrankung als sein letztes bezeichnet. In seinen Ausführungen griff er zudem globale Führungspersönlichkeiten und den Zustand der modernen Demokratie scharf an. Während der Veranstaltung warnte Barnes, dass sich George Orwells dystopische Vision aus 1984 bewahrheitet habe. Die Welt sei heute in drei paranoide, autoritäre Blöcke gespalten: China, Russland und die Vereinigten Staaten. Seine Kritik richtete sich auch gegen Donald Trump, den er wegen seiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne mit einem Goldfisch verglich. Das Publikum bedachte Barnes mit stehenden Ovationen, als er die Bühne verließ. Trotz seiner pointierten politischen Kommentare gibt es keine Aufzeichnungen darüber, dass er auf der Veranstaltung die Rolle Europas in der globalen Politik thematisierte. Sein einziger bestätigter Auftritt in der Zukunft ist eine Veranstaltung 2026 mit Robert Habeck, bei der es um die Grenzen von Wahrheit und Fiktion gehen soll. Barnes nutzte die Gelegenheit zudem, zu mehr Einheit in der Europäischen Union aufzurufen. Sein Appell kam in einer Zeit, in der er über die Zerbrechlichkeit der Demokratie angesichts wachsender autoritärer Tendenzen nachdachte. Das Festival markierte für Barnes einen bedeutenden Moment – sowohl persönlich als auch politisch. Sein neues Buch Abschied(e) könnte sein letztes Werk sein, während seine Warnungen vor globalen Machtstrukturen die Debatten über Freiheit und Kontrolle neu entfacht haben. Die stehenden Ovationen zeigten, wie stark sein Anliegen beim Publikum ankam.






