Kirchenaustritte in NRW sinken – doch die Krise bleibt tief verwurzelt
Ella BeckerKirchenaustritte in NRW legen leicht zurück - Kirchenaustritte in NRW sinken – doch die Krise bleibt tief verwurzelt
In Nordrhein-Westfalen verlassen weniger Menschen die katholische Kirche als in den Vorjahren – doch Experten warnen, dass die Lage weiterhin ernst bleibt. Im vergangenen Jahr traten 84.440 Personen offiziell aus, ein leichter Rückgang gegenüber 86.946 im Jahr 2024. Trotz dieser Verlangsamung sehen Kritiker in den Zahlen weiterhin tief verwurzelte Probleme der Institution.
Die Austrittswelle in der Region hatte nach 2020 stark zugenommen und erreichte 2021 und 2022 ihren Höhepunkt. Diese Spitzenwerte folgten auf Enthüllungen über Missbrauchsskandale und finanzielle Verfehlungen. Zwar hat sich der Austrittsstrom seit diesen Rekordjahren etwas beruhigt, doch der allgemeine Mitgliederschwund hält an: Die Zahl der Katholiken in Nordrhein-Westfalen liegt nun bei 5,6 Millionen – ein Rückgang von 5,8 Millionen.
Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. Das Erzbistum Köln verzeichnete einen Anstieg der Erwachsenentaufen, die von 199 im Jahr 2024 auf 315 im vergangenen Jahr stiegen. Auch die Besucherzahlen bei den Sonntagsmessen nahmen leicht zu, von 90.694 auf 94.638, wobei im Durchschnitt jedoch nur sechs Prozent der Katholiken im Bistum regelmäßig am Gottesdienst teilnahmen.
Der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster bezeichnete diese Fortschritte als oberflächlich. Die Zahlen seien "nach wie vor dramatisch", warnte er und betonte, dass das Misstrauen gegenüber der Kirche weiter wachse. Seine Äußerungen fielen in eine Phase, in der die Gesamtzahl der Austritte aus katholischen und evangelischen Kirchen in der Region auf 152.783 im Jahr 2025 sank – nach 160.469 im Vorjahr.
Der Rückgang der Kirchenaustritte deutet zwar auf eine mögliche Stabilisierung hin, doch die Mitgliederzahlen schrumpfen weiterhin. Mit 5,6 Millionen Katholiken in Nordrhein-Westfalen steht die Institution vor anhaltenden Herausforderungen, das Vertrauen zurückzugewinnen. Die leichten Zunahmen bei Taufen und Messbesuchen bieten nur begrenzte Anzeichen einer Erholung angesichts der übergeordneten Sorgen.






