22 March 2026, 22:04

Millarden-Grab THTR-300: Warum Steuerzahler für den Atom-Rückbau blechen müssen

Liniengraph, der die nuclear-generierte elektrische Energie von 2021 bis 2022 zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Millarden-Grab THTR-300: Warum Steuerzahler für den Atom-Rückbau blechen müssen

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, hat den Steuerzahlern eine kostspielige Last hinterlassen. Nach nur 423 Tagen Volllastbetrieb wurde das problembehaftete Kraftwerk 1989 wegen wiederholter technischer Pannen abgeschaltet. Jahrzehnte später ist sein Rückbau noch immer nicht abgeschlossen – und die Rechnung wächst weiter.

Der in den 1980er-Jahren gebaute THTR-300 war nie ein Prioritätenprojekt der Energiewirtschaft, sondern ein politisches Vorhaben. Der Bund investierte 1,284 Milliarden Euro, das Land NRW steuerte 233 Millionen Euro zum Bau bei. Sein Design, abgeleitet von militärischen Graphitreaktoren, nutzte in den Brennelement-Kugeln hochangereichertes, waffenfähiges Material mit einem Anreicherungsgrad von 93 %.

Die kurze Betriebszeit des Reaktors war von 125 meldepflichtigen Störfällen überschattet. Seit der Stilllegung sind die Rückbaukosten auf etwa 441 Millionen Euro explodiert. Davon übernahm der Bund 133 Millionen Euro, NRW zahlte 152 Millionen Euro, und die Betreibergesellschaft, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), brachte rund 156 Millionen Euro auf.

Doch die HKG ist nun insolvent. Am 23. September 2025 stellte das Amtsgericht Dortmund das Unternehmen unter vorläufige Insolvenzverwaltung – es kann keine weiteren Kosten mehr tragen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied, dass weder der Bund noch NRW zusätzliche Ausgaben übernehmen müssen. Damit bleibt die Finanzierung des verbleibenden Rückbaus den Steuerzahlern überlassen.

Der Reaktor selbst verbleibt bis 2027 in der sicheren Einschließung, ab 2028 beginnen die Vorbereitungen für den Abriss, die bis 2044 andauern sollen. Unterdessen lagern in Ahaus 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennelement-Kugeln in einem Zwischenlager – eine dauerhafte Entsorgungslösung steht noch aus.

Mit der Pleite der HKG und ohne weitere verpflichtende öffentliche Mittel trägt allein der Steuerzahler die finanzielle Verantwortung für den Rückbau des THTR-300. Das Erbe des Reaktors – technische Pannen, hohe Kosten und ungelöste Abfallprobleme – wird die kommenden Jahrzehnte belasten, bis der Abriss voraussichtlich 2044 abgeschlossen sein wird.

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