NRW-Grundschulen am Limit: Immer mehr Kinder starten unvorbereitet in die Schule
Lara LangNRW-Grundschulen am Limit: Immer mehr Kinder starten unvorbereitet in die Schule
Grundschulen in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit wachsenden Herausforderungen, da immer mehr Kinder ohne grundlegende Fähigkeiten eingeschult werden. Personalmangel in Kitas und Notbetreuung führt dazu, dass viele Schüler unvorbereitet in den Unterricht kommen. Die Folge: größere Klassen, höhere Wiederholerquoten und ein steigender Druck auf Lehrkräfte, die Lücken aus der frühkindlichen Bildung zu schließen.
Die flexible Schuleingangsphase in NRW, die die ersten beiden Jahre der Grundschulzeit umfasst, sieht vor, dass Kinder nun ein, zwei oder sogar drei Jahre für diesen Abschnitt benötigen können – ein Bruch mit dem früheren Ein-Jahres-Modell. Doch trotz dieser Flexibilität tun sich immer mehr Schüler schwer mit dem Übergang.
Daten aus dem Schuljahr 2025/26 zeigen einen deutlichen Anstieg der Kinder, die drei Jahre in der Eingangsphase verbleiben. Vor einem Jahrzehnt waren es nur 2,8 Prozent der Erst- und Zweitklässler, heute liegt der Anteil bei 6,5 Prozent. Sprachdefizite sind ein zentraler Faktor, besonders an Brennpunktschulen.
In Bergisch Gladbach ist die Lage besonders angespannt. Einige Grundschulklassen zählen mittlerweile bis zu 29 Kinder, viele mit Lernschwierigkeiten oder besonderem Förderbedarf. Schulleitungen müssen die Planung anpassen und berücksichtigen, welche Zweitklässler gefährdet sind, nicht versetzt zu werden. Die Zahl der Wiederholer steigt – oft wegen sprachlicher, motorischer oder sozial-emotionaler Defizite.
Rund 25 Prozent der Schulanfänger weisen behandlungsbedürftige Sprachauffälligkeiten auf. Um gegenzusteuern, wurde die vorsschulische Förderung in den Lehrplan der Eingangsphase integriert. Lehrkräfte vermitteln nun Kompetenzen, die früher in der Kita vermittelt wurden. Doch mit wachsenden Klassen und vielfältigeren Bedürfnissen steigt die Belastung für die Schulen weiter an.
Die Veränderungen in der frühen Bildung zwingen die Schulen zur Anpassung, doch der Druck bleibt bestehen. Mehr Kinder wiederholen eine Klasse, und größere, heterogenere Lerngruppen erfordern mehr Ressourcen. Ohne eine Stärkung der Kitas und gezielte Fördermaßnahmen bei Sprach- und Entwicklungsverzögerungen werden sich die Probleme im Grundschulbereich voraussichtlich verschärfen.






