Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte und digitale Gewalt
Elias LehmannTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte und digitale Gewalt
Tausende gingen am Wochenende in Köln und Bonn auf die Straße, um gegen sexualisierte und digitale Gewalt zu protestieren. Die Demonstrationen folgten einem Der-Spiegel-Bericht aus dem Jahr 2023 über die Schauspielerin Collien Fernandes, die ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, des digitalen Missbrauchs beschuldigt hatte. Die Veranstalter betonten die Notwendigkeit stärkerer gesetzlicher Schutzmaßnahmen und einer größeren öffentlichen Sensibilisierung für das Thema.
Die Kundgebungen erhielten breite politische Unterstützung, wobei sich lokale Parteien zusammenschlossen, um Forderungen nach konkreten Maßnahmen zu erheben. Doch trotz der Appelle von CDU-Politikerinnen und Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz blieben gesetzliche Änderungen bislang aus.
Am Samstag zogen in Köln über 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt durch die Stadt – eine der größten Demonstrationen dieser Art in den letzten Monaten. Sie spiegelte die wachsende Frustration über die mangelnden Fortschritte bei der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Übergriffe wider.
Am folgenden Tag versammelten sich Hunderte auf dem Bonner Marktplatz vor dem alten Rathaus. Eine Koalition aus Stadtratsparteien – Grünen, CDU, SPD und Volt – hatte die Veranstaltung organisiert und damit überparteiliche Besorgnis signalisiert. Jede Rednerin und jeder Redner auf der Kundgebung forderte Männer auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen frauenfeindliches Verhalten zu übernehmen.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Grünen, kritisierte Kanzler Friedrich Merz direkt dafür, sich nicht für strengere Schutzmaßnahmen einzusetzen. Unterdessen hatten CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei bereits zuvor bessere Sicherheitsvorkehrungen gefordert – ihre Appelle stießen beim Publikum jedoch auf verhaltene Resonanz.
Die Proteste folgen der Der-Spiegel-Untersuchung von 2023 zu digitaler Gewalt, in der Vorwürfe gegen Ulmen aufgedeckt wurden. Obwohl der Fall eine breite Debatte über Online-Missbrauch und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Teilhabe von Frauen auslöste, gab es seitdem weder neue Gesetze noch parteiübergreifende Initiativen. Kritiker werfen vor, dass feministische Advocacy-Arbeit und NGO-Forschung auf Widerstand stoßen, doch die anhaltende Brisanz des Themas hält es weiterhin in der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Die Demonstrationen am Wochenende in Köln und Bonn zeigten, wie stark die Region – insbesondere das Rheinland – von dem Thema betroffen ist. Die Protestierenden forderten sowohl von Einzelpersonen als auch von der Politik Konsequenzen. Doch trotz politischer Rhetorik und öffentlichen Drucks wurden seit dem Spiegel-Bericht keine konkreten gesetzgeberischen Schritte eingeleitet.






