22 April 2026, 04:05

Verbotene Kosmetik: Warum gefährliche Produkte trotz EU-Regeln weiter verkauft werden

Gefahrgut-Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5.2" in Rot und Gelb.

Verbotene Kosmetik: Warum gefährliche Produkte trotz EU-Regeln weiter verkauft werden

Trotz strenger EU-Vorschriften werden verbotene Kosmetikprodukte in ganz Europa weiterhin verkauft. Eine Untersuchung des Recherchezentrums CORRECTIV zeigt, dass gefährliche Artikel – darunter auch krebsverdächtige Chemikalien – in großen Läden und auf Online-Plattformen erhältlich bleiben.

Die Ergebnisse werfen Fragen zur Durchsetzung der Regeln auf, während die EU plant, die Bestimmungen für schädliche Inhaltsstoffe wie Prostaglandin-Analoga zu verschärfen.

CORRECTIV kaufte drei verbotene Kosmetikprodukte im Internet und bewies damit, wie leicht Verbraucher:innen an solche Waren gelangen. Darunter war ein Nivea-Rasierschaum mit dem verbotenen Stoff BMHCA (Lilial), der über Amazon erworben wurde. Ein weiteres Produkt war ein Schwarzkopf-Glitzer-Haargel mit derselben verbotenen Chemikalie, das im März 2023 – also vier Jahre nach dem EU-weiten Verbot – noch erhältlich war.

Auch Wimpernseren mit Prostaglandin-Analoga, die mit Krebs und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden, fanden sich in den Regalen von DM und Rossmann. Gleichzeitig wurde ein italienisches Haarpflegeprodukt mit Glyoxylsäure – einer Substanz, deren Toxizität aktuell von der EU geprüft wird – in einem deutschen Onlineshop gekauft.

Die Europäische Kommission hat zwar Pläne für ein Verbot von Prostaglandin-Analoga in Kosmetik vorgelegt, doch die Kontrolle bleibt lasch. Eine Überprüfung von 1,6 Millionen Websites im Jahr 2025 förderte über 20.000 illegale Produkte zutage, viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Seit 2012 wurden mehr als 4.000 unsichere Kosmetikartikel vom EU-Markt genommen.

Täglich kommen in Europa rund 800 neue Kosmetikprodukte auf den Markt – zusätzlich zu den bereits 600.000 erhältlichen Artikeln. Das EU-System Safety Gate hat über 4.000 Hochrisiko-Produkte gemeldet. Nun erwägen Behörden, die Übergangsphase für den Verkauf längst verbotener Produkte von 18 Monaten auf sechs Jahre zu verlängern.

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Die Untersuchung belegt: Trotz EU-Beschränkungen zirkulieren verbotene Kosmetika weiter. Angesichts tausender unsicherer Produkte, die nach wie vor erhältlich sind, wächst der Druck auf die Aufsichtsbehörden, die Einhaltung der Vorschriften zu stärken. Die geplante Verlängerung der Auslauffrist für verbotene Artikel könnte jedoch weitere Verzögerungen beim Verbraucherschutz bedeuten.

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