08 April 2026, 06:04

Wie 20 Frauen 1973 mit einer Mark die Lohnwelt veränderten

Schwarzes und weißes Foto von Frauen, die Maschinen in einer industriellen Fabrikumgebung bedienen.

Wie 20 Frauen 1973 mit einer Mark die Lohnwelt veränderten

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen der bedeutendsten Arbeitskämpfe Deutschlands aus. Ihre Forderung war einfach: eine Lohnerhöhung um eine Mark. Was mit nur 20 Beschäftigten begann, entwickelte sich rasant zu einer Bewegung, die die Lohnstrukturen im ganzen Land veränderte.

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Der Streik begann am 13. August, als etwa 20 Frauen am Werkstor Flugblätter verteilten. Ihr Spruch "Eine Mark mehr!" spiegelte die Wut über die niedrigen Löhne nach dem Tarif "leichte Arbeitsgruppe 2" wider – eine Einstufung für Tätigkeiten mit angeblich minimalem körperlichem Einsatz. Die Belegschaft bei Pierburg bestand überwiegend aus Frauen, darunter viele Migrantinnen aus ganz Europa.

Am Donnerstag begannen die Verhandlungen, doch das erste Angebot der Arbeitgeber – eine Erhöhung um 12 Pfennig – stieß auf empörten Widerstand. Die Streikenden konterten scharf: "Wenn es bei 12 Pfennig bleibt, streiken wir 12 Jahre." Bis Freitag verbesserte sich das Angebot auf 53 bis 65 Pfennig, doch die Protestbewegung hatte bereits an Fahrt aufgenommen.

Unterstützung kam von Künstlern wie Joseph Beuys und Arbeitern aus anderen Städten. Ungewöhnlich für die damalige Zeit: Auch männliche Kollegen bei Pierburg schlossen sich dem Streik an – es war einer der ersten großen Arbeitskämpfe in Deutschland, bei dem Männer sich solidarisch mit streikenden Frauen zeigten. Bald standen Hunderte auf der Demonstration – Männer und Frauen, Migranten und Deutsche – Schulter an Schulter.

Der Streik erreichte nicht nur die Abschaffung des Tarifs "leichte Arbeitsgruppe 2" bei Pierburg, sondern bundesweit. Die Löhne Tausender Beschäftigter, vor allem von Frauen in niedrigen Entgeltgruppen, stiegen dauerhaft. Der Protest wurde zu einem Meilenstein der deutschen Arbeitsgeschichte und bewies, wie kollektives Handeln ungerechte Lohnsysteme überwinden kann.

Quelle