27 April 2026, 02:09

Brasilien versteigert Ölrechte im Amazonas – trotz Protesten und Klimazielen

Plakat mit Text und Bildern von Solarpanelen und Windrädern vor einem bewölkten Himmel, das 'Abgesagte verbleibende Öl- und Gasgenehmigungen im Arctic National Wildlife Refuge' zeigt.

Brasilien versteigert Ölrechte im Amazonas – trotz Protesten und Klimazielen

Brasiliens Nationale Agentur für Erdöl, Erdgas und Biokraftstoffe (ANP) versteigerte am 17. Juni 2025 umstrittene Förderrechte für fossile Brennstoffe. Bei der Auktion wurden 172 Erdöl- und Erdgasblöcke zur Erschließung angeboten, darunter 68 im brasilianischen Amazonasgebiet. Kritiker werfen der Regierung vor, damit die eigenen Klimazusagen zu brechen und die Rechte indigener Gemeinschaften zu ignorieren.

Trotz massiver Proteste fand die Versteigerung statt. Von den 172 angebotenen Blöcken wurden 19 verkauft, die zusammen 16.312 km² Meeresgebiet an der Mündung des Amazonas umfassen. Große Konzerne wie Chevron, ExxonMobil, Petrobras und Chinas CNPC sicherten sich die Abbaurechte.

Vorab fehlte eine Umweltverträglichkeitsprüfung der Sedimentbecken (AAAS). Zudem wurde die vorgeschriebene freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen und traditionellen Gemeinschaften nicht eingeholt – ein Verstoß gegen das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Jonas Mura, Häuptling des Mura-Volkes, verurteilte die Auktion scharf und warnte vor Zerstörung, Verschmutzung, Armut und Krankheiten für die Region.

Rechtliche Hindernisse gab es bereits im Vorfeld: Die brasilianische Bundesanwaltschaft beantragte eine einstweilige Verfügung, um die Versteigerung zu stoppen, und verwies auf Verfahrensmängel sowie unzureichende Umweltstudien. Umweltorganisationen unterstützten diese Kritik. Gisela Hurtado von Stand.earth bezeichnete die Auktion als "Auktion des Todes" und als Bruch des Pariser Klimaabkommens.

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Die Versteigerung untergräbt Brasiliens Klimaführerschaft. Als Gastgeber der UN-Klimakonferenz COP30 steht das Land in der Kritik, widersprüchliche Signale in der Umweltpolitik zu senden. Klimaschützer argumentieren, Brasilien habe die Chance verpasst, auf erneuerbare Energien zu setzen, statt die Förderung fossiler Brennstoffe auszubauen.

Mit dem Verkauf von 19 Öl- und Gasblöcken wird die Erschließung des Amazonas weiter vorangetrieben. Rechtliche und ökologische Konflikte sind noch nicht geklärt, während indigene Führer weiterhin die Achtung ihrer Rechte einfordern. Das Ergebnis der Auktion wirft Fragen auf: Kann Brasilien wirtschaftliche Interessen mit seinen Klimazielen und Menschenrechtspflichten in Einklang bringen?

Quelle