29 March 2026, 22:03

"Holt euren Sohn, sonst stirbt er": Ein Leben zwischen Missbrauch und Rettung

Ein historisches Dokument zeigt eine Gerichtsszene mit Porträts, Vorhängen und gedrucktem Text.

"Holt euren Sohn, sonst stirbt er": Ein Leben zwischen Missbrauch und Rettung

Thomas Frauendienst kam am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen zur Welt. Noch in derselben Nacht wurde er in das Johanna-Helene-Heim in Volmarstein gebracht – eine Entscheidung, die den Beginn jahrelangen Missbrauchs markierte. Bis zu seiner Rettung mit vier Jahren litt er unter Hunger, Zwangsmedikation und wiederholter sexualisierter Gewalt.

In der Einrichtung wurde Frauendienst unter der Nummer 2033 im Logbuch des Chefarztes eingetragen, betitelt mit "Kinder in Sonderbehandlung". Während seiner ersten vier Jahre dort erlebte er schwere Vernachlässigung und Misshandlungen: Er wurde ans Bett gefesselt, zum Erbrechen gezwungen und fast verhungern lassen. Zudem wurde er von einem seiner Peiniger mehrfach vergewaltigt.

Ein Wendepunkt ereignete sich 1968, als eine Diakonisse seine Eltern mit einem dringenden Anruf warnte: "Holt euren Sohn, sonst stirbt er." Sie eilten herbei und nahmen ihn mit – gemeinsam mit einer Familienfreundin namens Ingrid. Jahrzehnte später zeigte die Forschung, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in Einrichtungen Nordrhein-Westfalens ähnlichen missbräuchlichen Medikamentenpraktiken ausgesetzt waren.

Später erhielt Frauendienst von der Diakonie eine Entschädigung von 5.000 Euro für die erlittene sexualisierte Gewalt. Obwohl seine Eltern emotional distanziert blieben, versöhnte er sich schließlich mit ihnen vor ihrem Tod.

Sein Fall verdeutlicht das systematische Unrecht, das einst in Einrichtungen wie dem Johanna-Helene-Heim herrschte. Die Rettung mit vier Jahren beendete zwar sein Leiden, doch die Narben blieben. Die Entschädigung und die spätere Aussöhnung mit seinen Eltern bildeten den Abschluss eines langen Kampfes um Verarbeitung.

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