Jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – oft aus dem eigenen Umfeld
Elias LehmannJeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – oft aus dem eigenen Umfeld
Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ist laut einer aktuellen Studie von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen. Oft stammen die Täter nicht aus dem anonymen Umfeld, sondern aus dem eigenen Bekanntenkreis – selbst unter Freunden oder Mitschülern kommt es zu Vorfällen. Fachleute betonen nun dringend die Notwendigkeit besserer Vorbereitung und Begleitung durch Erwachsene, um Kinder in digitalen Räumen zu schützen.
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen ging das Problem direkt an. Die Kinderschutzexpertin Yasmina Ramdani leitete an Schulen im gesamten Bundesland Präventionsworkshops. Rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse nahmen an Veranstaltungen teil, die sich mit digitaler sexualisierter Gewalt beschäftigten.
Eine häufige Gefahr ist dabei das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter gezielt das Vertrauen von Kindern im Netz aufbauen, um sie anschließend auszubeuten. Viele Übergriffe geschehen auch in Gruppenchats – oft aus Naivität oder Gruppendruck. Lehrkräfte erkennen zwar die Wichtigkeit des Themas, fühlen sich aber häufig unsicher, wie sie wirksam eingreifen können.
Das Projekt, finanziert vom Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz, war bundesweit das erste seiner Art. Zwar wurde seine Wirkung positiv bewertet, doch bleibt unklar, wie viele weitere Schulen deutschlandweit ähnliche Programme eingeführt haben. Öffentliche Debatten – etwa nach den Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen – haben zusätzlich die Dringlichkeit unterstrichen, digitale Gewalt zu bekämpfen.
Eltern kommen laut Ramdani eine Schlüsselrolle in der Prävention zu. Sie appelliere an sie, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen. Ohne solche Gespräche bleibe das Risiko für junge Menschen in digitalen Räumen hoch.
Studie und Pilotprojekt zeigen: Es handelt sich um ein weit verbreitetes, aber oft verkanntes Problem. Schulen, Eltern und Politik müssen zusammenarbeiten, um den Schutz von Kindern im Netz zu stärken. Konkrete Maßnahmen wie Workshops und offene Dialoge gelten als unverzichtbar, um Schäden zu verringern.






