Nora Burgard-Arps dystopischer Roman entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Leon FischerNora Burgard-Arps dystopischer Roman entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Ein besonderes literarisches Ereignis leitete in diesem Jahr den Tag für sichere Abtreibung am 28. September ein: Am 26. September las die Autorin Nora Burgard-Arp im VHS-Filmforum Bottrop aus ihrem Debütroman Wir nicht. Die dystopische Geschichte, die in einer Welt spielt, in der reproduktive Rechte systematisch abgeschafft werden, löste unter den Anwesenden eine lebhafte Debatte aus.
Burgard-Arps Roman begleitet Mathilda, eine Frau, die angesichts wachsender Ungerechtigkeiten schweigt – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. Konfrontiert mit einem System, das ihr die Selbstbestimmung verweigert, fälscht sie ihre Zyklusaufzeichnungen, verschweigt die Schwangerschaft vor ihrem Mann und ergreift schließlich radikale Maßnahmen, um die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Die Lesung mündete in eine hitzige Diskussion über politische Verantwortung und die Gefahren, aktuelle Bedrohungen der körperlichen Autonomie zu ignorieren.
Die Veranstaltung rückte auch die anhaltenden rechtlichen Auseinandersetzungen in Deutschland in den Fokus. Seit 1871 ist Abtreibung hierzulande im Strafgesetzbuch verankert. Zwar wurde 2022 der umstrittene Paragraf 219a StGB abgeschafft, der Ärzt:innen die Werbung für Abbrüche verbot, doch ein vollständiger Entkriminalisierungsversuch scheiterte im Februar 2025, nachdem konservative Parteien an Einfluss gewannen. Das Gleichstellungsbüro Bottrop setzt sich weiterhin für Reformen ein, bezog jedoch zur Veranstaltung oder zum Roman keine explizite Position.
Nach der Lesung signierte Burgard-Arp Exemplare von Wir nicht – alle Bücher waren schnell ausverkauft. Die Autorin bietet zudem kostenlose Schullesungen an, wenn Lehrkräfte sie einladen, und bringt so die Debatte auch zu jüngeren Zielgruppen.
Die Veranstaltung verband Literatur mit realem Aktivismus und nutzte Fiktion, um die Dringlichkeit des Themas Abtreibungsrechte zu unterstreichen. Angesichts der noch ungelösten rechtlichen Konflikte in Deutschland halten solche Diskussionen den Druck auf die Politik aufrecht. Burgard-Arps Roman steht nun als Mahnmal und Aufruf zum Handeln im Vorfeld des Tags für sichere Abtreibung.






