Rechtsextreme sagen Heiligabend-Demo in Dortmund überraschend ab
Ein langwieriger Streit um das Grab des Neonazis Siegfried "SS-Siggi" Borchardt hat in Dortmund und Münster zu Protesten geführt. Die Stadt Dortmund verweigerte ihm eine namentlich gekennzeichnete Grabstätte, was zu wiederholten Kundgebungen rechtsextremer Gruppen führte. Nun haben die Organisatoren eine für Heiligabend geplante Demonstration abgesagt, nachdem sie ihre Anmeldung zurückgezogen hatten.
Diese Entscheidung folgt auf monatelange Gegenproteste antifaschistischer Gruppen, darunter das Bündnis "Kein Meter den Nazis", das sich aktiv gegen die rechtsextremen Versammlungen stellt.
Der Konflikt begann nach Borchardts Tod 2019, als die Dortmunder Behörden den Antrag seiner Familie auf ein gekennzeichnetes Grab ablehnten. Seither haben Neonazis aus Dortmund und der Umgebung mehrfach demonstriert, oft vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster. Da das Gericht in rechtliche Auseinandersetzungen um den Fall verwickelt war, stilisierten Rechtsextreme Münster zur "Frontstadt" und veranstalteten dort wiederholt Kundgebungen.
Am 13. September versammelten sich Rechtsextremisten erneut und kündigten an, an Heiligabend zurückzukehren. Doch die Polizei bestätigte diese Woche, dass die Organisatoren ihre Anmeldung für die Veranstaltung zurückgezogen hätten. Das antifaschistische Bündnis "Kein Meter den Nazis" begrüßte die Nachricht und bezeichnete sie als direkten Erfolg ihrer anhaltenden Proteste.
Carsten Peters, Sprecher des Bündnisses, erklärte, der Rückzug beweise, dass ihre Bemühungen Wirkung zeigten. Trotz der Absage bleibt die eigene Gegenkundgebung des Bündnisses für Heiligabend angemeldet – ein Zeichen für den anhaltenden Widerstand gegen rechtsextreme Aktivitäten.
Die öffentliche Debatte um Borchardts Grab kam in den letzten Jahren kaum voran. Zwar erwähnte ein Newsletter von NSU-Watch aus dem Jahr 2026 eine Neonazi-Reise nach Dortmund nach seinem Tod, doch weitere Details zu Verhandlungen über die Grabstätte blieben aus. Auch juristische und politische Initiativen stocken, sodass die Angelegenheit weiterhin ungelöst ist.
Der Rückzug der rechtsextremen Anmeldung markiert eine Wende in den anhaltenden Protesten. Antifaschistische Gruppen halten an ihrer Haltung fest – ihre eigene Demonstration für Heiligabend bleibt bestehen. Vorerst bleibt der Streit um Borchardts Grab ungeklärt, doch die Absage der Kundgebung deutet auf eine vorläufige Entspannung hin.






