Siegen-Wittgenstein: Vom Ost-Zuzug zur Abwanderung nach 30 Jahren
Seit der deutschen Wiedervereinigung verzeichnet der Kreis Siegen-Wittgenstein einen stetigen Austausch von Einwohnern mit Ostdeutschland. Seit 1991 sind über 12.700 Menschen aus den östlichen Bundesländern in die Region gezogen, während rund 9.200 in die neuen Bundesländer abgewandert sind. In den letzten Jahren hat sich die Migrationsbewegung jedoch gewandelt – mittlerweile verlassen mehr Menschen die Region, als hinzukommen.
Den größten Zuzug gab es 1991, als sich fast 1.200 Menschen aus Ostdeutschland in Siegen-Wittgenstein niederließen. Die meisten kamen aus Sachsen-Anhalt, während Mecklenburg-Vorpommern die wenigsten Zuzügler stellte.
Ab 2010 pendelte sich die Zahl der Neuankömmlinge bei jährlich 200 bis 300 Personen ein. Doch seit 2020 hat sich der Trend umgekehrt: Seither ziehen mehr Einwohner aus Siegen-Wittgenstein in den Osten als umgekehrt.
Trotz dieser Verschiebungen ist die Bevölkerungszahl des Kreises seit den 1990er-Jahren kontinuierlich gestiegen – ähnlich wie im benachbarten Märkischen Kreis. Die gesamte Region Südwestfalen zählte 1990 noch 443.026 Einwohner, bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 457.465. Ein starker mittelständisch geprägter Industriesektor trug maßgeblich zu diesem Wachstum bei. Prognosen zufolge wird die erwerbsfähige Bevölkerung zwischen 2014 und 2040 jedoch um 28,6 Prozent schrumpfen, während gleichzeitig klimabedingte Risiken für die Infrastruktur zunehmen.
Die Wanderungsbewegungen in Siegen-Wittgenstein spiegeln die größeren Veränderungen seit der Wiedervereinigung wider. Zwar profitierte die Region von stetigem Wachstum und einer soliden Wirtschaftsstruktur, doch stehen sie nun vor Herausforderungen wie einem schrumpfenden Arbeitskräftepotenzial und Umweltbelastungen. Dieses Spannungsfeld aus Chancen und Risiken unterscheidet den Kreis von anderen westdeutschen Regionen, die ebenfalls von der Migrationsdynamik nach der Wiedervereinigung betroffen waren.






