Wie Seemannslieder und Schiffe die deutsche Küste bis heute prägen
Das Meer hat seit jeher Musik, Kultur und Erinnerungen geprägt – besonders in deutschen Hafenstädten wie Kiel und Hamburg. Für einen Schriftsteller begann die lebenslange Faszination für Schiffe, Seeleute und ihre Lieder in der Kindheit, unweit der Howaldtswerke-Werft. Diese Traditionen reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Shanties und Chöre die Häfen mit Rhythmus und Geschichten erfüllten.
Aufgewachsen beobachtete der Autor, wie Militärschiffe und große Segler – darunter das Schulschiff Gorch Fock der deutschen Marine – im Kieler Förd vor Anker gingen. Der Anblick dieser Schiffe, verbunden mit dem tiefen Bass eines Sängers aus seinem Kirchenchor, der auch beim Lotsen-Gesangverein mitwirkte, hinterließ bleibende Spuren. Zu Hause liefen häufig Schallplatten von Hans Albers, Freddy Quinn und Lale Andersen, deren Seemannslieder Nostalgie und Abenteuer vereinten.
Der Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944 vertiefte diese Verbindung. Albers spielt darin Hannes Kröger, einen Seemann, dessen unerfüllte Liebe zu La Paloma ihn immer wieder aufs Meer treibt. Mit gebrochenem Herzen heuert Kröger auf der Padua an, dem letzten der großen Hamburger Flying P-Liner. Dieses Schiff, heute das russische Schulschiff Krusenstern, ist die einzige erhaltene Viermastbark der Reederei F. Laeisz.
Seemannslieder gediehen einst in diesen Häfen, geprägt vom Aufschwung der Hanse und dem Leben zur See. Sie dienten als Arbeitsrhythmus, Stimmungsheber und gesellschaftliche Unterhaltung. Zwar sind die Anfänge dieser Tradition in Kiel und Hamburg nur lückenhaft dokumentiert, doch moderne Gruppen wie das 1981 gegründete Akkordeonorchester Ostseekrabben halten sie an der Ostseeküste lebendig.
Von kindlicher Begeisterung bis zu filmischen Legenden – die Anziehungskraft des Meeres lebt in Musik und Erinnerung weiter. Die Padua, heute Krusenstern, segelt noch immer als schwimmendes Relikt einer Ära, die Albers' Lieder und Krögers Geschichte inspirierte. Gleichzeitig sorgen Chöre und Orchester dafür, dass diese Melodien – und die maritime Kultur dahinter – Teil der Stimme der Küste bleiben.






