Stiefväter zwischen Klischee und Komik: Wie die Popkultur sie inszeniert

Stiefväter zwischen Klischee und Komik: Wie die Popkultur sie inszeniert
Stiefväter werden in Medien und Kultur seit langem zwiespältig dargestellt. Während einige Porträts ins Komische abdriften, zeigen andere sie als Schurken – ähnlich wie Stiefmütter. In Deutschland setzte in den 1980er-Jahren eine der ersten Sitcoms, die sich mit dieser Dynamik beschäftigte, Maßstäbe: Ich heirate eine Familie.
Das westdeutsche Fernsehen brachte 1983 mit Ich heirate eine Familie seine erste Patchworkfamilien-Sitcom auf den Bildschirm. Die bis 1986 laufende Serie zeigte Peter Weck als Werner Schumann, einen Mann, der sich plötzlich mit den drei Kindern seiner neuen Familie arrangieren muss. Weck führte nicht nur Regie, sondern prägte auch den leichtfüßigen Ton der Serie, die die Herausforderungen von Stieffamilien mit Humor behandelte. Beim ZDF wurde der Stiefvater dabei oft zur Witzfigur stilisiert – als tollpatschiger Außenseiter, der verzweifelt versucht, dazuzugehören.
Hollywood hingegen inszeniert Stiefväter – und mitunter auch leibliche Väter – häufig als düstere Gestalten. Filme wie The Shining (mit Jack Nicholson) oder The Night of the Hunter (mit Robert Mitchum) verstärken dieses bedrohliche Image. Stiefmütter jedoch sehen sich nach wie vor schärferen Klischees ausgesetzt, besonders in Märchen, religiösen Erzählungen und der Erwachsenenunterhaltung. Die USA würdigen Stieffamilien mit zwei eigenen Gedenktagen: dem National Stepfamily Day am 16. September und dem National Stepfather’s Day am dritten Freitag im September. Eine vergleichbare Ehrung für die Verdienste des ZDF um das Genre sucht man vergeblich.
Von Sitcom-Humor bis zum filmischen Bösewicht – Stiefväter besetzen in der Popkultur einen ambivalenten Platz. Während Serien wie Ich heirate eine Familie das Leben in Patchworkfamilien mit Lachen versüßten, zementierten andere Darstellungen ihr Image als Antagonisten. Die USA begehen jährlich einen Tag zu ihren Ehren, doch in Deutschland gibt es keinen offiziellen Anlass, der ihre kulturelle Bedeutung würdigt.

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